Recherchereise nach Borneo, Tag 4 Teil 2

12.04.13 Tag 4, Teil 2:
Nehas Lian Bing – Sangatta

(Bilder folgen)

In dem Dorf Nehas Lian Bing der Wehea Dayaks herrscht schon buntes Treiben. Der Eingang ist abgeriegelt, doch wir sind herzlich willkommen – die einzigen Langnasen hier. Die Häuser sind hier teilweise auf Stelzen gebaut, viel Holz wird als Baumaterial verwendet. In separaten Stelzenanbauten werden Schweine gehalten, Hühner laufen frei umher. Hier lebt auch noch eine alte Langohr-Dayak-Frau – die gedehnten Ohrläppchen ziehen sich bis zur Brust hinunter. Mit ihrem IPhone am Ohr bietet sie einen richtigen Kulturschock.
Wir kommen genau rechtzeitig zum Kanurennen auf dem großen Kutai River. Gegen die Strömung wird vorangepaddelt, die Rennen erfolgen flussabwärts. Erst kommen die Männer. Bunt verkleidet liefern sie sich harte „Kämpfe“ in ihren wackeligen Kanus. Mit „Pfeilen“ aus Palmwedelstämmen versuchen sie, ihre Gegner zu treffen. Es gibt großes Gelächter und das ein oder andere Boot kentert. Die Sieger werden zwar groß gefeiert und erhalten einen Pokal, doch es scheint hauptsächlich um den Spaß zu gehen. Die Frauen liefern sich ein Speed-Race. Pfeilschnell pflügen ihre Kanus an uns vorbei, wir müssen uns beeilen, um sie überhaupt auf ein Foto zu bekommen. Mit den Einheimischen jubeln wir ihnen vom Ufer aus zu. Wir werden immer wieder neugierig angeschaut, doch Lächeln ist international und diese freundlichen, offenen Menschen machen es einem nicht schwer, sich willkommen zu fühlen. Bald sind wir die „Stars“. Wir kennen es ja schon von den anderen, vom Tourismus bislang verschonten, Inseln von Ost-Indonesien, dass man sich gerne mit uns fotografieren lässt. Auch hier kommen immer wieder aufgeregte Jugendliche auf uns zu, die ein Bild mit uns haben möchte. Und auch das ein oder andere ältere Semester gesellt sich gerne dazu.
Der Brauch bei diesem Fest, auch Irau genannt, ist es, sich gegenseitig mit dem Ruß der Topfunterseiten, der mit Salatöl gemischt ist, das Gesicht zu verschmieren. Und auch mit Wasser zu überschütten soll Glück bringen. Als wir schließlich pitschnass, mit schwarzen Gesichtern durchs Dorf wandeln, sind wir voll akzeptiert. Und überall herrscht Lachen und Freude. Es wird wie wild auf allen Seiten geknipst.
Jedes Haus ist offen, Essen steht bereit und jeder wird willkommen geheißen. Eine Einladung abzulehnen wäre unhöflich. Bei Luwah, die für die Dorfverwaltung arbeitet, gibt es lecker Fisch in verschiedenen Variationen, Klebreis in Palmblättern und etwas Pinkfarbenes, das Kokos enthält und glücklicherweise nicht sehr süß schmeckt. Wir sitzen im Schneidersitz auf dem Boden und lassen es uns schmecken. Nach einem Verdauungsspaziergang durchs Dorf, mit weiteren Rußbeschmierungen und Wassergüssen werden wir bei Yatim, dem Chef der Ranger, eingeladen. Das Huhn, das in Kokossauce schwimmt, ist extrem lecker, doch es gibt kein Besteck. Yatim macht sich auf die Suche nach Löffeln für uns. Meine verschämte Frage an Rahim, ob sie die Sauce denn dann aus dem Teller trinken, verneint er lachend. Die bleibt einfach liegen. Wie sie den schwimmenden Reis essen, bleibt mir ein Rätsel. Wir löffeln alles auf. Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht. Auf meine – abermals verschämte – Frage nach einer Toilette erklärt mir Yatim, dass sie in den Fluss gehen. Sein Englisch ist sehr gut, es kann also keine Verständigungsprobleme geben. Er bietet mir an, mich hinzubringen. Ich nicke. Wieder eine neue Erfahrung. Glücklicherweise entdeckt Rahim jedoch ein Stehklo neben einem Haus und schickt mich dorthin.
Bei einer anderen Familie werden wir zum Palmwein eingeladen. Auch sehr interessant. Das Nachschenken in der Mittagshitze lehnen wir jedoch dankend ab, denn dieses Getränk hat es in sich. Natürlich ist auch hier wieder Fotosession angesagt.

Hudoq werden die Tänze genannt, die dazu dienen, die Ernte zu schützen und die Plagen fernzuhalten, sowie um einen reichhaltige Ertrag zu erbitten. Bunt kostümiert, mit Federn von Nashornvögeln als Kopfschmuck und riesigen Masken mit verspiegelten Augen tanzen die Männer auf das großen Fußballfeld. Die flirrende Hitze, die rhythmischen Trommeln und Gesänge und die exotischen Kostüme versetzen uns kurzfristig in eine ganz andere Welt.
Nur schwer trennen wir uns, doch der Weg nach Sangatta ist noch weit und die Straßen sind hier schlecht und noch im Bau. Spät in der Nacht treffen wir in unserem Hotel ein, das ehemals ein Nobelschuppen war. Doch auch hier finden wir Wildlife – 3 Kakerlaken springen in unserem Zimmer herum. Wir trauern dem Dschungel nach, doch der Schlaf holt uns schnell ein.

 
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